Kennst Du das, dass Deine Aufmerksamkeit immer mehr und schneller von der digitalen Welt und verschiedensten Dingen absorbiert wird und Du ungewollt dort versackst oder strandest?

In der Arbeitswelt sind es oft Zoom Meetings, wo es schwerer fällt, die Teilnehmenden in ihrer umfassenden menschlichen Dimension zu erfassen und zu kontaktieren und die Agenda und To Dos maschinengleich abgearbeitet werden. Im privaten Leben ploppen ständig Nachrichten aus Social Media, Mails und Chat Gruppen auf und dann geht es wieder zurück ins „Analoge“. Alle Behörden, Banken, Versicherungen und Versorger wollen Ihre Registrierung und unsere Präsenz und (Re)aktionen. Viele Menschen tragen mittlerweile die Apple Uhren am Handgelenk, die all Ihre körperlichen Daten tracken, ausspucken und bewerten. So befinden wir uns auch an dieser Stelle im Außen und davon abhängig und verlernen, nach Innen zu hören, in uns hineinzuspüren und dadurch zu bemerken, wie es uns geht.

Der Speed und die Informationen nehmen ständig zu, und wir spüren, dass dies nichts mit unserer Tiefe als Menschen zu tun hat.

Marilyn Morgan in Mindfulness-Centered Somatic Psychotherapy 2015:

“Wir haben uns daran gewöhnt von unserem Körper abgespalten/getrennt zu sein. Antonio Damasio, ein portugiesischer Neurowissenschaftler nennt es “die abgrundtiefe Trennung zwischen Körper und Geist” (1994). Diese Trennung wurde klar vom französischen Philosophen René Descartes 1637 in seinem berühmten Satz: “ich denke also bin ich” ausgedrückt und hat seither tiefgreifend unser westliches Denken beeinflusst, sowohl die christliche Lehre als auch die Psychoanalyse und Wissenschaft, einschließlich der Medizin. Dem kognitiven Denken wurde ein besonderer Status zugewiesen, getrennt von anderen Dimensionen unseres Seins, nämlich den Dimensionen, die unserem Leben Bedeutung, Freude und Leidenschaft geben. Herzschlag, Bewegung und Wildheit tendieren dazu ins Steife gezwungen zu werden, und unsere Körper werden zu etwas uns Fremden, sogar zu etwas, was uns beschämt, etwas was uns belästigt, was wir allenfalls tolerieren können ….” (Übersetzung, A. Peacock)

In dieser Welt kann uns leicht unsere innere Klarheit und das Gefühl für uns selbst abhandenkommen und Verwirrung hinterlassen. Dabei brauchen wir es alle so dringend, uns verorten zu können, uns zu spüren und selbst zu verstehen. Wir brauchen dieses Körperbewusstsein, um auf unser essenzielleres Selbst zurückgreifen und damit wesentliche Entscheidungen im Einklang mit unseren tiefsten Wünschen treffen zu können. Wir fühlen mehr, was dem Leben Struktur und Bedeutung verleiht.

Hier noch ein Zitat von Paul Tillich von 1948:

„Wir sind in ständiger Bewegung und hören nie damit auf, um in die Tiefe zu tauchen. Wir reden und reden und hören nie auf die Stimmen, die zu uns aus unserer Tiefe sprechen… Wie Fahrer die Fahrerflucht begehen, verletzen wir unsere Seelen durch die Geschwindigkeit, mit der wir uns an der Oberfläche bewegen… Wir verfehlen daher unsere Tiefe und unser wahres Leben.“

An dieser Stelle kann die Beschäftigung mit Achtsamkeit hilfreich sein. Du kannst hörenswerte Anleitungen z.B. von Jack Kornfield, einem der bekanntesten buddhistischen Lehrer unserer Zeit finden, https://www.jackkornfield.com und in Büchern wie z.B. „das Achtsamkeitsbuch“ von Weiss, Harrer, Dietz darüber lesen oder in einem buddhistischen Zentrum in deiner Nähe wie z.B. dem Akazienzendo in Berlin https://www.akazienzendo.de vor Ort in einer Gruppe damit Erfahrungen sammeln.